DARK TROLL FESTIVAL 2026 – Tag 1 in Bornstedt 14.05.2026
von Lucifera.Noir Lesedauer 12 Minuten
Das Dark Troll Festival feierte Jubiläum – und wir waren für euch vor Ort dabei. Bereits zum 15. Mal fand das Festival in den historischen Mauern der Schweinsburg Bornstedt statt.
Als ungefragte Ehrengäste gaben sich in diesem Jahr die Eisheiligen die Ehre. Bonifatius brachte am Donnerstag kühle Temperaturen mit, während die Kalte Sophie am Freitag einige Liter Regen im Gepäck hatte. Nun ja – das Wetter lässt sich bekanntlich nicht auswählen. Dafür war die Musik umso heißer und sorgte dafür, dass die Festivalbesucher schnell auf andere Gedanken kamen.
Doch eingefleischte Metalfans lassen sich von solchen Umständen ohnehin kaum abschrecken – und jeder geht mit solchen Bedingungen auf seine eigene Weise um. Entsprechend vielseitig zeigte sich auch die Kleiderwahl auf dem Festivalgelände: Von freiem Oberkörper und T-Shirt bis hin zu Thermohosen und einem Hauch von Wintergarderobe war alles vertreten. Kein Wunder, denn in den späten Abendstunden sanken die Temperaturen auf gerade einmal fünf Grad.
Aber nun zur Musik, wir waren ab der zweiten Band vor der Bühne.
VÆTTE
Die dänische Folk-Metal-Formation Vætte feierte beim Dark Troll Festival ihre Deutschlandpremiere – und hinterließ dabei einen bleibenden Eindruck. Erst 2022 gegründet, vereinen die Dänen starke, kraftvolle Melodien mit klassischen Folk-Metal-Elementen und atmosphärischen Black-Metal-Klanglandschaften. Eingebettet in nordische Mythologie, dunkle Naturmystik und alte Legenden entstand eine Klangwelt, die perfekt in die alte Burgkulisse des Festivals passte.
Mit ihrer im Dezember erschienenen Debüt-EP ‚Epos‘ präsentierten Vætte bereits einen ersten Vorgeschmack auf ihren Sound. Einige Songs des Abends stammen allerdings bereits aus einer neuen Schaffensphase – Material, das erst auf dem geplanten Debütalbum erscheinen soll. Interessant: Einige Stücke tragen aktuell noch Arbeitstitel und warten noch auf ihre endgültigen Namen.
„Danke Dark Troll – schön, dass ihr hier seid!“ sagte die Band sichtlich erfreut über die erstaunliche Kulisse. Danach folgte direkt neues Material von der aktuellen EP. Die Mischung aus treibenden Rhythmen, eingängigen Melodien und einer sehr authentischen Bühnenpräsenz funktionierte überraschend gut und zog schnell auch die Zuschauer in den hinteren Reihen in ihren Bann.
„Das nächste ist übers Tanzen – also tanzt!“ Und genau das ließ sich das Publikum nicht zweimal sagen. Zum Abschluss lieferten Vætte mit ‚Midnatsfest‘ noch einmal einen echten Partysong ab, der für ausgelassene Stimmung vor der Bühne sorgte und die Zuschauer ein letztes Mal mitriss.
Mit den Worten „Das war unser erstes Deutschland-Konzert – lasst uns noch ein Foto machen!“ verabschiedete sich die Band sichtbar bewegt von ihrem Publikum.
Setlist: 01 Intro 02 Askeblod 03 Grylas Gryde 04 Jærtegn 05 Bjergfolk 06 Dødedansen 07 Blandet Kryb Og Kravl 08 F.E.S.T. 09 Ellepigens Snare 10 Mørkets Pagt 11 Midnatsfest
https://www.facebook.com/vaette
FRANTIC AMBER
Wenn melodische Eingängigkeit auf brutale Härte trifft , dann sind Frantic Amber nicht weit entfernt. Die 2008 in Stockholm gegründete Band brachte beim Dark Troll Festival eine intensive Mischung aus kraftvollem Melodic Death Metal, aggressiven Growls und jeder Menge Dynamik auf die Bühne.
Bereits seit ihrer ersten EP ‚Wrath of Judgement‘ aus dem Jahr 2010 hat sich die Band kontinuierlich nach vorne gearbeitet. Der TV-Auftritt bei den renommierten P3 Guld-Awards in ihrer Heimat sowie Touren mit Größen wie Six Feet Under machten Frantic Amber früh einem breiteren Publikum bekannt und sorgten dafür, dass sich die Schweden europaweit einen Namen erspielten.
Von der ersten Minute an war klar: Hier würde es keine ruhige Verschnaufpause geben. Fliegende Haare, intensive Bühnenpräsenz und eine enorme Spielfreude bestimmten das Bild auf der Bühne. Trotz der Härte ihres Sounds verlor die Band nie ihre melodische Linie – genau diese Kombination macht Frantic Amber so besonders. Der Schwerpunkt des Sets lag klar auf ihrem aktuellen Album ‚Death Becomes Her‘ aus dem Jahr 2025, dessen Songs live eine enorme Wucht entwickelten. Gleichzeitig gab es mit ‚Lagherta‘ und ‚Ghost‘ auch zwei Stücke aus früheren Schaffensphasen.
Einige technische Probleme sorgten dafür, dass Frantic Amber ihr Set aus Zeitgründen um zwei Songs kürzen mussten. Wirklich aus dem Konzept bringen ließ sich die Band davon jedoch nicht.
Zum Abschluss der Show hallte ein herzliches „Danke Dark Troll“ durch die Burgmauern. Frantic Amber lieferten eine absolut sehenswerte Show ab. Musikalisch kraftvoll, optisch eindrucksvoll und voller Energie – ein Auftritt, der richtig Spaß gemacht hat und definitiv auch etwas fürs Auge war.
Setlist: 01 El Orfanato 02 Jolly Jane 03 Death Becomes Her 04 Hell‘s Belle 05 Black Widow 06 Lagertha 07 Ghost 08 Epitaphium
https://www.facebook.com/franticamber
ONDFØDT
Black Metal bei Tageslicht auf einer Open-Air-Bühne – Ondfødt bewiesen eindrucksvoll, dass intensive Dunkelheit nicht zwingend auf Nachtstunden oder verrauchte Clubs angewiesen ist. Die 2013 gegründete Band aus den finnischen Wäldern brachte beim Dark Troll Festival eine düstere Atmosphäre auf die Burg und zeigte, warum sie sich mit mittlerweile fünf Alben und zwei EPs einen festen Platz in der Szene erspielt hat.
Die Finnen verbinden klassische Black-Metal-Elemente mit modernen Einflüssen und schaffen daraus einen Sound, der gleichermaßen roh und intensiv wirkt. Aggressive Gitarrenriffs, hämmernde Drums und eindringlicher Gesang verschmelzen zu einer Klangwand, die tief in die dunkleren Ecken menschlicher Emotionen eintaucht.
Bereits optisch machten Ondfødt einiges her. Das markante Corpse Paint verlieh der Band eine starke Bühnenpräsenz und unterstrich die finstere Atmosphäre ihres Auftritts perfekt. Zwischen kurzen Regenschauern und plötzlich wieder hervorbrechenden Sonnenstrahlen entstand während der Show eine besondere Stimmung über der Burganlage.
Speziell die Songs ihres aktuellen 2025er Albums ‚Dimsvall‘ entfalteten live enorme Wirkung. Die neueren Stücke wirkten druckvoll, dynamisch und transportierten genau jene intensive Atmosphäre, für die Ondfødt stehen – Songs wie ‚Bakom Blekna Skuggor‘ oder ‚Svartsyn‘ legten sich wie dunkle Wellen über das Publikum. Spätestens bei ‚Stormin‘ und dem abschließenden ‚Grymhejtins Ansikt‘ war klar: Die Finnen hatten das Publikum längst auf ihre Seite gezogen. Und wer mehr von Ondfødt sehen und hören mag, hat bereits Anfang Juni in Hannover und Berlin die Gelegenheit, die Finnen erneut auf einer deutschen Bühne zu erleben.
Setlist: 01 Födärvis Tid 02 Bakom Blekna Skuggor 03 Tå Do Dör 04 Höstfruktan 05 No Ere Jo Satan 06 Falskhejtins Folk 07 Midnatt 08 Svartsyn 09 Stormin 10 Grymhejtins Ansikt
https://www.facebook.com/Ondfodt
Das Dark Troll Festival ist ein bewusst familiär gehaltenes Event mit rund 1.000 bis 1.200 Besuchern. Der Fokus liegt klar auf Pagan Metal, Folk Metal und Black Metal in all seinen Facetten. Jahr für Jahr gelingt es dem Veranstalter In Fiction Entertainment, mit einem handverlesenen Line-up zu überraschen. Neben spannenden Live-Premieren und interessanten Neuentdeckungen finden sich selbstverständlich auch Bands im Programm, die bereits in der Vergangenheit die Burgmauern zum Beben gebracht haben.
Die Festivalbühne selbst ist direkt in Teile der historischen Ruine eingebettet und von Wald umgeben. Dadurch entsteht eine außergewöhnlich idyllische Kulisse, die besonders in den Abendstunden eine fast mystische Stimmung entfaltet und dem Festival einen ganz eigenen Charakter verleiht.
TROLD
Manchmal scheint ein Bandname wie für ein Festival erschaffen worden zu sein – und im Fall von Trold dürfte das beim Dark Troll Festival wohl kaum besser passen.
Mit ihrem aktuellen Album ‚I Skovens Rige‘ entführen Trold ihre Zuhörer tief in eine Welt, in der Bäume flüstern und uralte Sagen zwischen den Ästen leben. Genau diese Atmosphäre transportierte die Band auch auf die Bühne und verwandelte die Burgmauern für eine gute Stunde in einen nordischen Märchenwald – allerdings einen mit ordentlich Druck auf den Verstärkern.
Gleich beim Opener der Show war klar – jetzt schlug die Stunde der Headbanger vor der Bühne. Von den ersten Takten an herrschte Bewegung im Publikum. Die flotten Songs, eingängigen Melodien und mitreißenden Rhythmen sorgten schnell für ausgelassene Stimmung und die Zuschauer ließen sich bereitwillig auf die Folk-Metal-Reise mitnehmen.
Auch optisch passte das Gesamtbild perfekt zur Musik. Sänger Allen trat barfuß und in einem sackähnlichen Gewand auf und wirkte dabei beinahe wie eine Gestalt direkt aus den nordischen Wäldern oder einer alten Sage entsprungen. Diese Mischung aus Inszenierung und authentischem Auftreten verlieh der Show zusätzlichen Charme.
Doch vor allem wirkte die Band unglaublich sympathisch. Zwischen den Songs transportierten Trold eine lockere und positive Ausstrahlung und brachten genau die Zutaten mit, die eine gelungene Folk-Metal-Party braucht: starke Melodien, viel Energie und jede Menge Spielfreude. Songs wie „Troldmanden“, „Heksen“ oder „Skovfesten“ sorgten immer wieder für Bewegung und gute Stimmung vor der Bühne.
Setlist: 01 I Skovens Rige 02 Med Høtyv Og Fakkel 03 Troldmanden 04havets Bund 05tusind År I Dvale 06 Heksen 07 Utysken 08 Mod Den Endeløse Skov 09 Skovfesten 10 En Kiste Fuld Af Minder 11 Bødlen 12 Til Gilde Under Bøgen 13 Sensommerbålet
https://www.facebook.com/troldband
HAVAMAL
Wenn melodischer Death Metal auf nordische Mythologie und epische Folk-Elemente trifft, entsteht genau die Art von Klanggewalt, für die Festivals wie das Dark Troll geschaffen wurden. Die schwedische Band Havamal brachte ihre Mischung aus Melodic Death und Viking Metal auf die Burg und sorgte mit kraftvollen Songs und einer starken Bühnenpräsenz für einen mitreißenden Auftritt.
Die 2016 gegründete Formation aus Schweden veröffentlichte im vergangenen November mit ‚Age of the Gods‘ bereits ihr drittes Album und präsentierte daraus auch mehrere Songs beim Dark Troll Festival. Von Beginn an wurde deutlich, dass Havamal nicht einfach nur harte Riffs auf die Bühne bringen wollten – hier ging es um Atmosphäre, Melodien und die Erschaffung einer eigenen Welt.
Bereits optisch hinterließ die Band Eindruck. Schwarze Bemalungen im Gesicht und auf dem Körper verliehen den Musikern eine zusätzliche raue, nordische Ausstrahlung und unterstrichen die epische Inszenierung ihrer Performance. Passend dazu erzeugten die dichten Arrangements und orchestralen Elemente immer wieder das Gefühl, sich mitten in einer alten Saga oder auf einem Schlachtfeld vergangener Zeiten zu befinden.
Mit dem Opener ‚Draugers March‘ ging es direkt kraftvoll los. Besonders stark präsentierte sich die Videosingle ‚The Day Of Reckoning‘ vom aktuellen Album, die live enormen Druck entwickelte und vom Publikum entsprechend gefeiert wurde.
Zum Abschluss wartete dann noch ein besonderer Höhepunkt auf die Zuschauer: Mit ‚Berserker‘ vom Debütalbum verabschiedete sich die Band mit einem echten Fan-Favoriten. Der Song, dessen Videoclip mittlerweile fast 200.000 Aufrufe auf YouTube erreicht hat, bildete einen kraftvollen Schlusspunkt und sorgte noch einmal für Bewegung vor der Bühne.
Setlist: 01 Draugers march 02 Sigurd Fafnirsbane 03 Nidhoggr 04 The Day of Reckoning 05 Jotun War 06 Wolfraiders 07 Berserker
https://www.facebook.com/Havamalofficial
SEVEROTH
Manche Auftritte fühlen sich nicht wie gewöhnliche Festivalshows an, sondern eher wie besondere Momente, die man bewusst aufsaugt, weil man nicht weiß, wann sich eine solche Gelegenheit wieder ergeben wird. Genau dazu gehörte der Auftritt von Severoth beim Dark Troll Festival. Mit dieser Verpflichtung gelang dem Veranstalter eine echte Überraschung für die Jubiläumsausgabe, denn Liveshows der Ukrainer waren bisher eine absolute Seltenheit – insbesondere in Westeuropa.
Severoth entwickelten sich über die Jahre zu einer festen Größe im Atmospheric Black Metal. Mit mittlerweile sechs Full-Length-Alben erschuf Bandgründer Illia Rafalskyi eine Klangwelt, die sich zwischen Naturverbundenheit, Melancholie und fast grenzenlosen atmosphärischen Landschaften bewegt. Für die seltenen Live-Auftritte versammelt er weitere Musiker um sich, um die besondere Magie seiner Kompositionen auf die Bühne zu bringen.
Severoth bauten ihre Show langsam und bewusst auf, erschufen Schicht um Schicht eine dichte, beinahe hypnotische Atmosphäre. Die Verbindung aus atmosphärischem Black Metal und weitläufigen Ambient-Soundscapes wirkte dabei wie ein musikalischer Weg durch unbekannte Landschaften – mal ruhig und majestätisch, dann wieder düster und bedrückend. Der Song ‚Sunrise Will Come‘ eröffnete die intensive musikalische Reise. Die epische und zugleich hypnotische Stimmung zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Auftritt. Statt hektischer Bewegungen oder offensiver Bühnenaktionen stand die Musik selbst im Vordergrund. Gerade diese zurückhaltende Art verlieh dem Auftritt eine besondere Intensität und zog viele Zuschauer spürbar in ihren Bann. Die intensiven Stücke hatten alle eine Spieldauer von über zehn Minuten.
Die Songs des aktuellen Albums ‚Шляхом світла‘ entfalteten live ihre ganze Wirkung. Mit ‚Far Above the Sky‘ fand der Auftritt schließlich einen würdigen Abschluss, der die Zuschauer beinahe schwerelos zurückließ.
Setlist: 01 Sunrise Will Come 02 Silver Dawns of Spring 03 And Winter in My Heart 04 Far Above the Sky
https://www.facebook.com/severoth
XIV DARK CENTURIES
Wenn es um deutschen Pagan Metal geht, gehören XIV Dark Centuries ohne Zweifel zu den festen Größen der Szene. Seit unglaublichen 28 Jahren stehen die Thüringer für ihren eigenen musikalischen Weg und bewiesen beim Dark Troll Festival eindrucksvoll, weshalb sie über all die Jahre ihren festen Platz behauptet haben. Die Band hat in der Vergangenheit bereits auf der Bühne des Summer Breeze Festivals gestanden, aber auch beim Wave Gotik Treffen waren sie ein gerngesehener Gast. Mit ihrem aktuellen Album ‚Aus uralter Zeit‘, das im vergangenen Dezember erschien, kehrten die Pagan-Pioniere zurück auf die Schweinsburg – mystischer und atmosphärischer denn je.
XIV Dark Centuries eröffneten ihre Dark-Troll-Show direkt mit neuem Material und machten bereits früh deutlich, dass ihre aktuelle Schaffensphase nichts an Intensität verloren hat. Die Songs wirkten kraftvoll und atmosphärisch zugleich und transportierten genau jene mystische Stimmung, für die die Band seit Jahren geschätzt wird.
Doch als wäre die ohnehin schon ausdrucksstarke Performance nicht genug gewesen, wurde dem Publikum noch ein zusätzliches optisches Highlight geboten: Die Fabelwesen der Schattenwelt Südharz gesellten sich zu den Musikern auf die Bühne und sorgten für einen Moment, der sich tief ins Gedächtnis eingebrannt haben dürfte. Die Verbindung aus Musik, Mythologie und visueller Inszenierung funktionierte dabei hervorragend und verlieh dem Auftritt eine beinahe zeremonielle Wirkung.
Spätestens beim Klassiker ‚Teutonentanz‘ erreichte die Stimmung vor der Bühne ihren Höhepunkt. Die Zuschauer gingen sichtbar mit, sangen mit und feierten die Band entsprechend lautstark. Gerade solche Momente zeigen, weshalb XIV Dark Centuries seit Jahrzehnten eine treue Anhängerschaft besitzen und zu einem beliebten Gast beim Dark Troll Festival geworden sind.
Setlist: Setlist: 01 Aus den Nebeln der… 02 Unendlichkeit 03 Aura der Dunkelheit 04 Runibergun 05 Svava 06 Teutonentanz 07 Wo Flüche leis geflüstert 08 Aus kalten Hallen 09 Atme den Wald 10 Skogafulka 11 Bragarful
https://www.facebook.com/xivdarkcenturies
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