DARK TROLL FESTIVAL 2026 – Tag 2 in Bornstedt 15.05.2026
von Lucifera.Noir Lesedauer 11 Minuten
Beim Festival gab es in diesem Jahr übrigens eine weitere Neuerung: eine zusätzliche Stellfläche für Caravans und Wohnwagen. Diese lag zwar nicht ganz so nah am Festivalgelände wie der beliebte Campground auf dem Sportplatz, der sich nur rund 100 Meter entfernt befindet. Für die Besucher, die im Ortskern untergebracht waren, stand erneut der beliebte kleine Dark-Troll-Shuttle bereit. Während Festival-Shuttles anderswo meist nach festen Fahrplänen verkehren, setzte man in Bornstedt auf eine deutlich persönlichere Lösung: Ein kurzer Anruf beim Fahrer genügte – und schon machte sich das Fahrzeug auf den Weg, um die Fans direkt bis vor den Eingang zu bringen. Ein großartiger Service, der vielen die berüchtigten 96 Stufen vom Dorf hinauf zur Burg ersparte.
Wir selbst waren am Freitag ab der dritten Band vor Ort.
HELGRINDUR
Die Pagan-Metal-Formation Helgrindur aus Solingen hat sich in den vergangenen Jahren mit unermüdlicher Live-Präsenz und energiegeladenen Auftritten eine immer größere Fangemeinde erspielt. Nach Shows auf renommierten Festivals wie dem Ragnarök oder dem Aaargh Festival bewiesen die Musiker auch auf der Bühne des Dark Troll Festivals eindrucksvoll, weshalb ihr Name in der Szene zunehmend an Gewicht gewinnt. Mit ihrer Mischung aus Pagan Metal, durchzogen von Einflüssen aus Death und Black Metal, brachten sie eine intensive und zugleich atmosphärische Darbietung auf die Bühne.
Von Beginn an war deutlich zu spüren, dass die Band bestens aufgelegt war. Bereits früh suchte Frontmann den Kontakt zum Publikum und begrüßte die Besucher mit den Worten: „Ich merke, ihr habt Bock“ . Die Resonanz ließ nicht lange auf sich warten. Vor der Bühne herrschte vom ersten Moment an ausgelassene Stimmung auch angesteckt von den kopfkreisenden Musikern. Zahlreiche Besucher ließen sich mitreißen und verwandelten den Burgplatz in eine wogende Masse aus fliegenden Haaren und erhobenen Fäusten.
Musikalisch überzeugte Helgrindur mit einer druckvollen Mischung aus harten Riffs, eingängigen Melodien und der für die Band typischen epischen Atmosphäre. Songs wie ‚Fernweh‘, oder ‚Herr des Waldes‘ entfalteten live eine enorme Wirkung und wurden vom Publikum begeistert aufgenommen. Dabei wirkte die Performance stets lebendig und voller Spielfreude. Ein besonderes Highlight der ohnehin starken Show war ohne Zweifel der Gastauftritt von Obscuritys Agalaz bei ‚Bergisches Land‘.
Mit ‚Zur Ewigkei‘ fand ein durchweg gelungener Auftritt seinen Abschluss. Helgrindur präsentierten sich als Band, die nicht nur musikalisch überzeugt, sondern auch eine starke Verbindung zum Publikum aufbauen kann. Die Mischung aus Härte, Atmosphäre und echter Leidenschaft funktionierte an diesem Nachmittag hervorragend und machte den Auftritt zu einem starken Pagan-Metal-Moment des Festivals.
Setlist: 01 An der Mühle 02 Fernweh 03 Aufbruch 04 Golem 05 Herr des Waldes 06 Mädchen 07 Ein Sturm 08 Bergisches Land feat Agalaz 09 Zur Ewigkeit
https://www.facebook.com/Helgrindur
LUCIFER’S COLD EMBRACE
Die Melodic-Blackened-Death-Metal-Band aus den Niederlanden begann ursprünglich als Soloprojekt von Gitarrist und Sänger Martin van Beek. Mit orchestralen Elementen, scharfen Riffs und einem starken melodischen Kern entstand ein eigener Stil, der seit 2025 durch weitere erfahrene Musiker verstärkt wurde. Mit Joost Westdijk, Jory Hogeveen und Bas Wijnbergen bekam Lucifer’s Cold Embrace zusätzliche Live-Power und eine neue Dynamik.
Die 2018er Songs wie ‚Angels of the Bottomless Pit‘ oder ‚The Elegy of Lilith‘ zeigten eindrucksvoll, wie gut sich die Mischung aus melodischer Eingängigkeit und aggressiver Härte auf der Bühne umsetzen lässt.
Allerdings meinte es das Wetter während ihres Auftritts nicht besonders gut mit den Niederländern. Regen und wechselhafte Bedingungen sorgten dafür, dass sich ein großer Teil der Zuschauer lieber unter den schützenden Dächern der Bierstände oder unter den großen Bäumen rund um die Bühne sammelte. Der Atmosphäre schadete das allerdings überraschend wenig – vielmehr verlieh die Situation dem Auftritt fast noch eine zusätzliche düstere Note. Und trotz dieser äußeren Umstände lieferte die Band ein beeindruckend starkes Set ab. Auch das bereits zehn Jahre alte Stück ‚Black Death‘ sorgte für druckvolle Momente.
Und dann kam der vielleicht erstaunlichste Fakt des gesamten Auftritts: Es handelte sich tatsächlich um die allererste Liveshow der Niederländer überhaupt. Nach diesem Auftritt stellten sich beinahe automatisch zwei Fragen: Warum habt ihr die Fans so lange auf diese erste Show warten lassen – und wie habt ihr es geschafft, eure Premiere derart souverän und eingespielt auf die Bühne zu bringen?
Mit dem unveröffentlichten Song ‚Ripples‘ und einem atmosphärischen Outro beendeten Lucifer’s Cold Embrace ein beeindruckendes Live-Debut.
Setlist: 01 Intro 02 Angels of the Bottomless Pit 03 The Witches‘ Mark 04 The Elegy of Lilith 05 Black Death 06 The Gift of Life 07 Legion 08 Ripples 09 Outro
https://www.facebook.com/luciferscoldembrace
HEIMDALLS WACHT
Wenn eine Band seit mehr als zwei Jahrzehnten auf der Bühne steht, spürt man oft schon nach wenigen Minuten, warum sie sich über so viele Jahre eine treue Fangemeinde erspielen konnte. Heimdalls Wacht lieferten beim Dark Troll Festival 2026 eine Show ab, die eindrucksvoll zeigte, weshalb sie zu den festen Größen der deutschen Pagan- und Black-Metal-Szene zählen.
Bereits beim Blick vor die Bühne wurde klar, dass die Band an diesem Abend zu den Publikumsmagneten gehörte. Vor der Bühne drängten sich zahlreiche Zuschauer, die sich diesen Auftritt nicht entgehen lassen wollten. Den Startschuss gab ‚Scyomantia‘, ein mittlerweile zehn Jahre alter Song, der jedoch nichts an seiner Wucht und Wirkung eingebüßt hat und das Publikum direkt auf Betriebstemperatur brachte.
Auch optisch wusste die Band zu überzeugen. Die markanten Bemalungen der Musiker verliehen dem Auftritt eine zusätzliche düstere Note und passten perfekt zur Atmosphäre ihrer Musik. Besonders lebendig wurde die Show aber durch die Bühnenpräsenz selbst: Immer wieder suchten die Musiker die Nähe zum Publikum, traten an den vorderen Bühnenrand und kamen sogar unter dem kleinen Bühnenvordach hervor – ganz nah zu den Fans. Genau solche Momente machen eine Liveshow greifbar und sorgen für eine besondere Verbindung zwischen Band und Publikum.
Die gesamte Performance von Heimdalls Wacht wirkte unglaublich lebendig und abwechslungsreich. Statt statisch ihre Songs herunterzuspielen, war ständig Bewegung auf der Bühne, was die Energie des Auftritts zusätzlich verstärkte. Unterstützt wurde das Ganze durch eine starke Lichtshow, die besonders durch die Wetterbedingungen noch einmal an Wirkung gewann. Denn während leichter Nieselregen über das Festivalgelände zog, bohrten sich die Lichtstrahlen durch die feuchten Luftschichten und erschufen eine fast magische Kulisse vor der Bühne. Die Kombination aus Musik, Licht und Wetter verlieh dem gesamten Auftritt eine zusätzliche Intensität.
Songs wie ‚Wir sind die Wächter‘ oder ‚Jeder Abschied atmet den Tod‘ sorgten für weitere starke Momente, bevor der 20 Jahre alte Klassiker ‚Des Nordens Stern‘ einen würdigen Abschluss einer sehr starken Heimdalls Wacht Show bildete.
Setlist: 01 Scyomantia 02 Ekte Westfäölske Svatte Metall 03 Geheimbund 04 Wir sind die Wächter 05 Alles ist grau 06 Jeder Abschied atmet den Tod 07 Des Nordens Stern
https://www.facebook.com/heimdallswacht
Die Fans hatten eine unermüdliche Energie in sich. Mit erhobenen Fäusten und wehenden Haaren boten die Dark Troll Besucher den Bands eine Stimmung wie aus dem Märchenbuch – das war einfach wundervoll.
OBSCURITY
Wenn über die deutsche Death- und Viking-Metal-Szene gesprochen wird, fällt der Name Obscurity seit vielen Jahren nahezu automatisch. Die Bergischen Löwen gehören längst zu den Vorreitern des Genres und haben sich über die Jahre zur deutschen Speerspitze in diesem Bereich entwickelt. Mit mittlerweile acht Studioalben, zahllosen Festivalauftritten und einer beeindruckenden Bühnenhistorie zählen sie zu den festen Größen der Szene – und auch beim Dark Troll Festival gehören sie längst zum vertrauten Inventar.
Bereits 2009, als das Festival noch unter dem Namen Black Troll Festival stattfand, standen Obscurity auf der Bühne der Schweinsburg. Umso schöner wirkte ihre Rückkehr, denn die Verbindung zwischen Band und Festival ist über die Jahre sichtbar gewachsen. Gleichzeitig steht für die Band selbst ein besonderes Kapitel bevor: Im kommenden Jahr feiern Obscurity bereits ihr 30-jähriges Bestehen – und von Alterserscheinungen war auf der Bühne absolut nichts zu bemerken.
Ganz im Gegenteil: Mit ihrem Anfang 2026 veröffentlichten Album ‚Ascheregen‘ gelang der Band ein fulminanter Sprung in die deutschen Albumcharts und gleichzeitig der nächste Beweis dafür, dass die Band weiterhin voller Energie und Ideen stecken.
Den Auftakt ihres Sets gestalteten Obscurity äußerst kraftvoll. Mit ‚Wodanaz Kriger‘ vom Vorgängeralbum wurde direkt die Marschrichtung vorgegeben, ehe ‚Schicksal der Götter‘ unmittelbar nachlegte und vor der Bühne für Bewegung sorgte. Die Mischung aus melodischen Passagen, druckvollen Riffs und den markanten, hymnischen Strukturen funktionierte dabei wie gewohnt hervorragend.
Überhaupt wirkte die Band einmal mehr eingespielt und routiniert und transportierte genau jene Energie, die sie seit Jahrzehnten zu einer festen Live-Größe macht. Songs wie ‚Rùnar Vig‘, oder ‚Ketzerjagd‘ sorgten immer wieder für starke Reaktionen im Publikum.
Natürlich durfte auch Material vom aktuellen Album nicht fehlen. Der Titelsong ‚Ascheregen‘ bewies eindrucksvoll, warum die aktuelle Veröffentlichung so viel Aufmerksamkeit erhalten hat und fügte sich nahtlos in das Set ein.
Den kraftvollen Schlusspunkt setzten die Musiker schließlich mit ‚Bergischer Hammer‘ – einem echten Klassiker aus dem Jahr 2010, der wie so oft für einen würdigen und energiegeladenen Abschluss sorgte. Nach einem stürmischen Beifall gab es für die euphorischen Fans sogar noch eine Zugabe.
Setlist: Setlist: 01 Wodanaz Kriger 02 Schicksal der Götter 03 Rùnar Vig 04 Schwur 05 Glod en Isa 06 Ketzerjagd 07 Ascheregen 08 Bergischer Hammer 09 Naglfar
https://www.facebook.com/obscuritybergischland
SKYFORGER
Wenn über Pagan Metal gesprochen wird, gehören Skyforger seit Jahrzehnten zu den Namen, die weit über ihre Landesgrenzen hinaus Bedeutung erlangt haben. Die lettische Formation zählt nicht nur zu den bekanntesten Metal-Exporten ihres Heimatlandes, sondern gilt seit vielen Jahren auch als eine der prägenden Bands des gesamten Genres. Beim Dark Troll Festival brachten die Musiker ihre einzigartige Mischung aus traditioneller lettischer Volksmusik, historischen Erzählungen und kraftvollem Metal auf die Bühne – und verwandelten die Burgmauern in eine Reise durch vergangene Jahrhunderte.
Inspiriert von der Geschichte ihrer Vorfahren, alten Legenden und den Geschichten der Semigallier entwickelte sich über die Jahre jener unverwechselbare Stil, der Skyforger heute ausmacht. Und genau diese Authentizität war während des gesamten Auftritts spürbar. Die Musik wirkte nie wie eine bloße Aneinanderreihung folkloristischer Elemente, sondern wie eine lebendige Reise durch die Geschichte Lettlands. Zwischen kraftvollen Gitarrenriffs, traditionellen Einflüssen und hymnischen Passagen entstand eine Atmosphäre, die zugleich kämpferisch, mystisch und emotional wirkte. Dabei schafften Skyforger mühelos den Spagat zwischen harter Metal-Energie und traditionellen Melodien.
Man spürte, dass die Fans sehnsüchtig auf diesen speziellen und auch durch die lettische Sprache etwas extravaganten Auftritt gewartet hatten. Gerade Stücke wie ‚Gada Īsākā Nakts‘, oder ‚Migla Migla, Rasa Rasa‘ sorgten immer wieder für intensive Momente und ließen das Publikum sichtbar in diese besondere Welt eintauchen.
Mit ‚Zirgi Zviedza‚ fand der Auftritt schließlich einen würdigen Abschluss und hinterließ das Gefühl, nicht nur ein Konzert, sondern eine musikalische Reise erlebt zu haben.
Setlist: Setlist: 01 Latviešu Strēlnieki 02 Ķēves Dēls 03 Rex Semigalliae 04 Kauja Garozas Silā. 1287 05 Esat Kā Vīri 06 Gada Īsākā Nakts 07 Kauja Pie Saules. 1236 08 Velnakmens 09 Pelīte 10 Migla Migla, Rasa Rasa 11 Zirgi Zviedza
https://www.facebook.com/skyforgerofficial
GROZA
Mit Groza folgte am Freitagabend einer jener Auftritte, die bereits im Vorfeld als besondere Highlights gehandelt wurden – und die Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern eher noch übertroffen. Groza lieferten ein finsteres Meisterwerk zwischen den Burgmauern und gehörten auch zu unseren Festivalfavoriten. Die deutsche Black-Metal-Band hatte bereits Ende 2025 mit ihrer ‚Nadir over Europe‘-Tour quer über den Kontinent einen bleibenden Eindruck hinterlassen und unterstrich beim Dark Troll Festival eindrucksvoll, warum sie inzwischen zu den spannendsten Vertretern des modernen Black Metal gehören.
Seit der Gründung als Ein-Mann-Projekt von Sänger und Multiinstrumentalist P.G. im Jahr 2016 entwickelte sich Groza kontinuierlich weiter. Inzwischen stehen mehr als 120 Konzerte in über 20 Ländern auf der Liste der Deutschen – und genau diese Live-Erfahrung war auf der Bühne deutlich zu spüren.
Das aktuelle Material brachte der Band zudem endgültig den Sprung auf ein neues Level. Das neueste Album erreichte sowohl in Deutschland als auch in Österreich starke Chartplatzierungen und etablierte Groza endgültig als internationale Größe innerhalb des Genres.
Schon optisch wurde die Bühne unmittelbar in die typische düstere Groza-Welt verwandelt. Der inzwischen schon berühmte Mikrofonständer und die Musiker, gehüllt in schwarze Kapuzen und Lederwesten, inszenierten ihren Auftritt bewusst geheimnisvoll und erschufen zwischen den alten Burgmauern eine beinahe beklemmende Atmosphäre. Es wirkte weniger wie ein gewöhnliches Konzert und mehr wie ein bewusst inszeniertes Ritual.
Mit „Soul : Inert“ begann die Reise zunächst atmosphärisch, bevor mit „Asbest“ – dem Opener des aktuellen Albums – die Intensität sofort deutlich anzog. Klirrende Gitarren, aggressive Dynamik und die markante Stimme durchdrangen die Nacht und zogen das Publikum augenblicklich in ihren Bann.
Der Sound von Groza lebt dabei von starken Gegensätzen. Wut und Traurigkeit treffen auf sengende Melodien, rasende Blast Beats auf melancholische Gitarrenlinien und ruhige Passagen auf eruptive Ausbrüche. Gerade diese Dynamik verlieh dem Auftritt eine enorme Intensität.
Zu den Höhepunkten des Sets gehörte ohne Zweifel ‚Elegance Of Irony‘, dessen Videoclip bereits an der Marke von einer halben Million Aufrufen kratzt. Live entwickelte der Song eine enorme Kraft und wurde entsprechend gefeiert. Einen völlig anderen, aber ebenso intensiven Moment bot ‚Dysthymian Dreams‘, dessen ruhiger Mittelpart eine beinahe hypnotische Stimmung erzeugte und das Publikum für kurze Zeit spürbar in eine andere Welt versetzte. Den fulminanten Schlusspunkt setzte die Band schließlich mit der 2024 veröffentlichten Single ‚Daffodils‘. Ein würdiger Abschluss eines Auftritts, der vor allem eines hinterließ: Gänsehaut.
Setlist: 01 Soul : Inert 02 Asbest 03 Ouroboros 04 Elegance Of Irony 05 The Redemptive End 06 Equal. Silent. Cold. 07 Dysthymian Dreams 08 Unified In Void 09 Deluge 10 Daffodils
https://www.facebook.com/grozaband
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