VIENNA METAL MEETING in der Arena Wien 03.10.2026
von Lucifera.Noir Lesedauer 10 Minuten
Die Arena Wien ist seit Jahrzehnten eine feste Institution der österreichischen Alternativkultur. Das weitläufige Gelände des ehemaligen Schlachthofs bietet mit seinem rauen Industriecharme die perfekte Kulisse für Konzerte und Festivals – und gerade für ein Event wie das Vienna Metal Meeting 2026, das am 3. Oktober wieder zahlreiche Fans der härteren Gangart nach Wien lockte.
Der Einlass verlief zügig, unkompliziert und freundlich. Im Innenbereich warteten zahlreiche Merchandising-Stände auf die Besucher, während draußen eine gute Auswahl an Getränken und Food-Trucks für das leibliche Wohl sorgte. Bei hervorragendem Spätsommerwetter waren vor allem die vielen Sitzgelegenheiten im Freien heiß begehrt. Hier konnte man jederzeit etwas durchatmen, bei einem kühlen Bier mit anderen Metalheads plaudern und die Musik auch einmal aus etwas größerer Entfernung genießen. Bei einem Festivaltag, der sich von den Nachmittagsstunden bis Mitternacht erstreckte, war das eine willkommene Abwechslung.
Musikalisch wurde auf zwei Bühnen gespielt: in der großen Halle, die Platz für rund 900 Fans bietet, und im kleineren Dreiraum, der mit seiner intimen Atmosphäre und dem direkten Kontakt zwischen Bands und Publikum einen reizvollen Kontrast bildete. Durch den Wechsel zwischen den beiden Locations ging es Schlag auf Schlag weiter, lange Wartezeiten zwischen den Auftritten blieben weitgehend aus.
Auch das diesjährige Line-up konnte sich sehen lassen. TON Music Productions stellte eine abwechslungsreiche Mischung aus internationalen Szenegrößen, etablierten österreichischen Acts und spannenden Underground-Bands zusammen. Gerade die Möglichkeit, Formationen live zu erleben, die man nicht alle Tage auf einer Wiener Bühne sieht, macht den Reiz des Vienna Metal Meeting aus. Von atmosphärischem Black Metal über brutalen Death Metal bis hin zu kompromisslosem Old-School-Sound war für Fans extremer Musik einiges geboten.
GRAUFAR
Den Auftakt in der großen Halle übernahmen Graufar, die längst zu den interessanten Vertretern des österreichischen Black-Metal-Undergrounds zählen. Bereits zu Beginn war die Halle erfreulich gut gefüllt, und die Band sorgte mit ihrer düsteren Atmosphäre, giftigen Screams und treibenden Rhythmen für einen passenden Einstieg in den Festivaltag. Im März 2026 veröffentlichten Graufar ihr neues Album ‚Via Necropolis‘, das sie zuvor unter anderem mit dem Videoclip zu ‚Foltertrog‘ angekündigt hatten. Das aktuelle Material fügt sich nahtlos in den finsteren Kosmos der Band ein und unterstrich einmal mehr, dass der heimische Black Metal auch abseits der großen Namen einiges zu bieten hat. Ein stimmungsvoller Start für das Vienna Metal Meeting 2026.
ILL TIDINGS
Mit Ill Tidings ging es im Dreiraum unmittelbar düster weiter. Die österreichische Formation widmet sich den okkulten und finsteren Facetten des Black Metal und hüllte die kleinere Bühne mit hypnotischen Riffs und einer unheilvollen Klangästhetik in eine beklemmende Atmosphäre. Auch Ill Tidings hatten neues Material im Gepäck: Ihr im Sommer erschienenes Album ‚Seeds Of True Rebirth‘ stand dabei im Mittelpunkt. Die Band nutzte die intime Location, um ihre dunklen Klangwelten besonders wirkungsvoll zu entfalten. Wer auf atmosphärischen Black Metal mit einer ausgeprägten okkulten Note steht, kam hier voll auf seine Kosten.
Setlist 01 Silent Leges Inter Arma 02 Kamadevas Mantra an den Tod 03 Worship the Temple of Flesh 04 Tides of Wrath 05 Lux Ferre 06 Mahlstrom im Glasgefüge
DÖDSRIT
Mit Dödsrit stand eine Formation auf dem Programm, die rohen Black Metal mit der Energie und den melodischen Gitarrenläufen des Crust Punk verbindet. Die schwedisch-niederländische Band hat sich mit dieser Mischung eine treue Fangemeinde erspielt. Das 2024 veröffentlichte Album Nocturnal Will gilt als einer der Höhepunkte ihrer bisherigen Diskografie und lieferte auch für den Auftritt in Wien reichlich Material. Dödsrit verbanden aggressive Passagen mit weit ausladenden Melodien und einer Intensität, die den Auftritt zu einem der eindringlicheren Momente des Tages machte. Die Songs entwickelten live eine besondere Dynamik, bei der sich rohe Härte und melancholische Weite immer wieder abwechselten.
Setlist 01 Irjala 02 Shallow Graves 03 Svard aska 04 Nocturnal Fire 05 As Death Comes Reaping 06 Celestial Will
MISANTHROPIC MIGHT
Bei Misanthropic Might war anschließend kompromissloser Wiener Black Metal angesagt. Die Band ist seit der Jahrtausendwende aktiv und gehört damit zu den erfahrenen Vertretern der lokalen Szene. Statt auf große Inszenierungen zu setzen, konzentrierte sich das Trio beziehungsweise die Formation auf das Wesentliche: rasende Geschwindigkeit, rohe Energie und einen Sound, der tief im Underground verwurzelt ist. Mit ihrem vierten Album ‚Qualzucht‘, das im vergangenen Jahr erschien, hatten Misanthropic Might aktuelles Material im Gepäck. Ihr Auftritt machte deutlich, dass der österreichische Black-Metal-Untergrund auch nach vielen Jahren nichts von seiner kompromisslosen Haltung eingebüßt hat.
https://www.facebook.com/misanthropicmight
SULPHUR AEON
Mit Sulphur Aeon wurde es in der großen Halle schwer, düster und atmosphärisch. Die deutsche Formation verbindet massive Riffs mit einer unheimlichen, von kosmischen Abgründen geprägten Klangwelt. Ihr 2023 erschienenes Album ‚Seven Crowns and Seven Seals‘ bildete die Grundlage des Auftritts und zeigte eindrucksvoll, wie wirkungsvoll sich Melodic Death Metal und düstere Atmosphäre miteinander verbinden lassen. Die Stimmung in der Halle steigerte sich von Song zu Song. Sulphur Aeon verstanden es, ihre komplexen Kompositionen mit einer enormen Wucht auf die Bühne zu bringen, ohne dabei die melodischen Feinheiten aus den Augen zu verlieren. Besonders das abschließende, über neun Minuten lange Titelstück des aktuellen Albums setzte einen eindrucksvollen Schlusspunkt. Ein Auftritt, der die Fans mit seiner Mischung aus Härte, Melodie und finsterer Epik überzeugte.
Setlist 01 Hammer From the Howling Void 02 Incantation 03 Swallowed by the Ocean’s Tide 04 Lungs Into Gills 05 Calls From Below 06 Devotion to the Cosmic Chaos 07 Diluvial Ascension – Gateway to the Antisphere 08 Seven Crowns and Seven Seals
IZEGRIM
Die niederländische Formation Izegrim setzte auf aggressive Vocals, hohes Tempo und eine ordentliche Portion Death-Metal-Wucht. Nach einer zwischenzeitlichen Auflösung meldete sich die Band Anfang 2026 mit einem starken Comeback bei 70.000 Tons of Metal zurück. Beim Vienna Metal Meeting zeigte sie ebenfalls, dass sie live nichts von ihrer Durchschlagskraft eingebüßt hat. Mit ihrer direkten, druckvollen Spielweise sorgten Izegrim für einen weiteren intensiven Moment im Programm. Die Kombination aus kompromissloser Härte und ungebremster Energie machte deutlich, warum die Band auch nach ihrer Pause noch immer auf eine treue Fangemeinde zählen kann.
ELLENDE
Zu den heimischen Bands, die derzeit besonders viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, gehören Ellende aus der Steiermark. Mit ihrem Album Zerfall, das am 2. Jänner 2026 über AOP Records erschien, gelang der Formation ein beachtlicher Erfolg: Das Werk erreichte Platz vier der österreichischen Albumcharts. Ellende verbinden atmosphärischen Black Metal mit melancholischen Melodien und weitläufigen Klanglandschaften. Bereits Anfang des Jahres konnten sie mit ihrem aktuellen Material in der ((Szene)) Wien überzeugen. Auch bei der Rückkehr nach Wien stand die intensive Atmosphäre im Mittelpunkt. Die Songs entfalteten ihre Wirkung zwischen eruptiven Ausbrüchen und ruhigeren, beinahe hypnotischen Passagen. Ein Auftritt, der eindrucksvoll unterstrich, weshalb Ellende mittlerweile weit über die heimische Szene hinaus Beachtung finden.
VOLLMONDPROZESSION
Mit Vollmondprozession vertrat eine noch vergleichsweise junge Formation die Schweizer Szene. Ihr avantgardistischer Extreme Black Metal setzte einen weiteren markanten Akzent im abwechslungsreichen Festivalprogramm. Rituelle Klangflächen, finstere Stimmungen und kompromisslose Ausbrüche prägten den Auftritt und verliehen ihm eine ganz eigene Atmosphäre. Im Mittelpunkt stand das Debütalbum ‚Lazarus‘. Die neun Songs umfassende Setlist zeigte die musikalische Bandbreite der Schweizer, die sich nicht auf konventionelle Strukturen festlegen lassen und stattdessen auf eine intensive, bisweilen verstörende Klangsprache setzen. Damit waren Vollmondprozession eine spannende Bereicherung für das Festival-Line-up.
Setlist: 01 Lazarus 02 3 Orden 03 Morgenstern 04 Gral & Einsamkeit 05 Pilgergrab 06 Über dem Tempel 07 Kreuz am Berge 08 Alaunzeichen 09 Schwertleite
BENEDICTION
Mit Benediction stand eine echte Institution des britischen Death Metal auf dem Programm. Seit Ende der 1980er-Jahre gehört die Band zu den verlässlichen Größen des Genres und hat mit ihrem kompromisslosen Old-School-Sound Generationen von Death-Metal-Fans geprägt. Im April 2025 veröffentlichten Benediction über Nuclear Blast ihr neuntes Studioalbum ‚Ravage of Empires‘. Das Werk schaffte es in Österreich bis auf Platz fünf der Charts und erreichte auch in Deutschland die Top Ten. Beim Vienna Metal Meeting trafen die neuen Songs auf bewährte Klassiker – eine Mischung, die bestens funktionierte. Die Band setzte auf druckvolle Riffs, einen wuchtigen Sound und jene ungeschliffene Direktheit, die den britischen Death Metal seit Jahrzehnten auszeichnet. Die Stimmung in der Halle war entsprechend ausgelassen. Benediction lieferten eine überzeugende Demonstration klassischer Death-Metal-Power und machten deutlich, dass ihre Songs auch nach vielen Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren haben.
Setlist 01 Engines of War 02 Nightfear 03 Scriptures in Scarlet 04 A Carrion Harvest 05 Suffering Feeds Me 06 Magnificat 07 Unfound Mortality 08 Stormcrow 09 The Grotesque 10 They Must Die Screaming 11 Subconscious Terror 12 Crawling over Corpses 13 The Dreams You Dread
DYSTRUST
20 Jahre Dystrust – dieses Jubiläum feiert man nicht alle Tage. Die österreichische Modern-Death-Metal-Formation hatte bereits Anfang des Jahres bei einer fulminanten Jubiläumsshow in der ((Szene)) Wien gezeigt, dass sie auch nach zwei Jahrzehnten noch ordentlich Druck aufbauen kann. Beim Vienna Metal Meeting legten Dystrust erneut eine mitreißende Performance hin. Mit ihrem modernen, wuchtigen Sound erwiesen sie sich als ideale Besetzung für den Dreiraum und sorgten dort für einen würdigen Headliner-Auftritt. Die Band bewies, dass sie sich über die Jahre eine eigenständige Position in der heimischen Szene erarbeitet hat und live nach wie vor eine echte Macht ist.
SATYRICON
Den krönenden Abschluss des Vienna Metal Meeting 2026 übernahmen Satyricon. Die norwegischen Black-Metal-Legenden prägen das Genre seit den frühen 1990er-Jahren und haben sich mit ihrer musikalischen Entwicklung weit über die Grenzen der ursprünglichen Underground-Szene hinaus einen Namen gemacht. 2013 erreichte die Band mit ihrem selbstbetitelten Album sogar Platz eins der norwegischen Charts. Zuletzt sorgten Satyricon auch mit ihrem ambitionierten Kunstprojekt Satyricon & Munch für Aufmerksamkeit, bei dem Musik und bildende Kunst im Umfeld des Munch-Museums in Oslo miteinander verbunden wurden. In Wien stand jedoch wieder die Live-Performance im Mittelpunkt – und dafür hatten die Norweger ein eindrucksvolles Programm vorbereitet. Vor einer bis zum Rand gefüllten Arena zelebrierten Satyricon ihren charakteristischen Mix aus kalter Black-Metal-Düsternis, treibenden Rhythmen und markanten Hymnen. Dabei spannte die Setlist einen Bogen durch verschiedene Phasen ihrer Karriere. Songs wie ‚Now, Diabolical‘, ‚The Pentagram Burns‘ und ‚Fuel for Hatred‘ sorgten ebenso für Begeisterung wie das unverzichtbare ‚Mother North‘. Mit ‚K.I.N.G.‘ fand der Abend schließlich einen weiteren kraftvollen Höhepunkt. Satyricon erwiesen sich als würdiger Headliner und verabschiedeten das Publikum mit einer intensiven Show in die Nacht. Kurz nach Mitternacht endete damit ein langer Festivaltag, der einmal mehr zeigte, wie vielfältig und lebendig die extreme Metal-Szene ist.
Setlist: 01 Midnight Serpent 02 Our World, It Rumbles Tonight 03 Black Crow on a Tombstone 04 To Your Brethren in the Dark 05 Black Wings and Withering Gloom 06 Du som hater Gud 07 Now, Diabolical 08 The Wolfpack 09 Repined Bastard Nation 10 The Pentagram Burns 11 Fuel for Hatred 12 Mother North 13 K.I.N.G.
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