QUICKIE DER WOCHE: Das Kurzinterview mit Aaron Sadrin (Heartlay)

von Marko Jakob


Pix666: Hey Aaron. Danke, dass du dir Zeit genommen hast. Wie geht es dir zur Zeit, bist du gesund und munter? Wie geht es den anderen Jungs von Heartlay?

Aaron: Hallo. Uns geht es gut, wir sind definitiv am Leben. Unser neues Album kommt Ende des Monats heraus und wir sind ziemlich aufgeregt, dieses Kapitel der Welt zu enthüllen.


Pix666: Bitte stellt den Lesern eure Band Heartlay in ein paar kurzen Sätzen vor. 

Aaron: Wir sind eine Hybrid-Genre-Band, die Elemente aus Metal, elektronischer Musik, Industrial, melodischem Rock und vielem mehr vermischt. Da wir sehr auf den visuellen und erzählerischen Aspekt achten, sehen wir uns als ein Kollektiv, das eine kreative Vision teilt, die über den Sound hinausgeht und auch Grafikdesign, Fotografie und Video beinhaltet.


Pix666: … was war deine Inspiration, Musiker zu werden? Was sind deine persönlichen Lieblingsbands?

Aaron: Ich glaube, die erste Band, die mich dazu brachte, ein Instrument spielen zu wollen, war Nirvana. Ich bin in einem künstlerischen Haushalt aufgewachsen, in dem Musik immer präsent war, aber es war das erste Mal, dass mich der Wunsch, solchen Lärm zu machen, wirklich gepackt hat. Seitdem sind meine Lieblingsbands Deftones, NIN, The Cure, Slipknot, Depeche Mode, The Prodigy… Auch wenn ich sehr neugierig bin und gerne Neues ausprobiere, haben sich meine Klassiker im Laufe der Zeit nicht allzu sehr verändert.


Pix666: Was hast Du musikalisch gemacht, bevor Du Heartlay gegründet hast? Was waren bisher deine besten Erfahrungen und Erlebnisse als Musiker? 

Aaron: Davor habe ich in vielen totgeborenen lokalen Bands in Paris gespielt, wobei ich mehrere Rollen hatte. An einem Tag war ich der Sänger einer Hardcore-Band, in der nächsten Woche spielte ich in einer Black-Metal-Band, im Monat darauf etwas anderes. Aber eigentlich habe ich viel mehr gelernt, indem ich seit meinen frühen Teenagerjahren viel alleine Musik gemacht habe und die meiste Zeit meiner Freizeit damit verbracht habe, mit Samples, VST’s und all diesem Zeug herumzuspielen.

Eines Tages verließ ich eine Band, mit der ich auf Tour war, und das war der Zeitpunkt, an dem ich anfing, über den Aufbau von etwas nachzudenken, das sich wirklich lohnen könnte. Auch wenn wir schon viele tolle Erfahrungen gemacht haben, hoffen wir immer, dass die besten noch kommen.


Pix666: Ihr habt vor einigen Wochen euer neues Video “We Are All Awake” veröffentlicht. Wie waren die Reaktionen der Fans auf den Song und das Video? Wo habt ihr den Clip gedreht und gab es irgendwelche Probleme während des Drehs aufgrund der Einschränkungen durch Covid19?

Aaron: Wir haben ehrlich gesagt noch nie so positive Reaktionen bekommen, verglichen mit allem, was wir bisher veröffentlicht haben. Ich denke, das Projekt hat sich in seinem Ethos, seiner Ästhetik und seiner Ausführung natürlich weiterentwickelt. Das Video wurde in demselben Lagerhaus gedreht, das wir für das Musikvideo zu ‚To The Floor‘ verwendet haben. Die Dreharbeiten waren sehr anstrengend, da wir wegen der vielen Sperrungen und Einschränkungen hier so oft umdisponieren mussten, aber es hat sich gelohnt.



Pix666: Das Video hat mehr als 200.000 Aufrufe auf YouTube. Habt ihr eine so große Resonanz erwartet?

Aaron: Nicht in dem Ausmaß. Es bedeutet sicher etwas auf unserem Level, aber eigentlich freue ich mich mehr über die Reaktionen, Kommentare, DM’s, Leute, die mir sagen, dass diese Songs etwas für sie verändern, dass es etwas bedeutet, dass es ihnen Kraft gibt, denn das ist der Grund, warum ich Musik mache.


Pix666: Ich bin ein Fan von Statistiken jeglicher Art. Wie ist das bei dir? Schaust du auf die Zahlen der Streams, der Views auf YouTube, oder weisst du zum Beispiel, in welchen Ländern die Leute leben, die eure Musik hören?

Aaron: Ja, wir machen eigentlich den gleichen Job wie jedes andere Plattenlabel, nur eben für uns selbst, deshalb wurde An Exile ja überhaupt erst gegründet. Uns geht es darum, in dieser Branche so autark wie möglich zu sein, also verbringen wir viel Zeit damit, über unsere Markenidentität, den Marketingaspekt, Zahlen und all diese Dinge zu diskutieren.


Pix666: Vor kurzem habt ihr eure neue Single ‘Out Of The Wreckage’ veröffentlicht. Euer letztes Album ‘Attack & Agony’ ist von 2019 – kündigen die neuen Songs das nächste Heartlay-Album an? Wie weit sind die Arbeiten an dem gesamten Album fortgeschritten?

Aaron: Das steht im Zusammenhang mit der vorherigen Frage. Alle neuen Singles sind in unserem neuen Album enthalten. Ich habe im März 2020 während dem ersten Lockdown angefangen, dieses zu schreiben. Als es angekündigt wurde, habe ich es sofort als Chance genutzt, um viel Material zu schreiben, ohne abgelenkt zu werden. Ich bin stolz zu sagen, dass es das erste Mal ist, dass wir absolut alles auf diesem Album selbst gemacht haben, von der Aufnahme bis zum Mastering, es ist ein komplett handgemachtes Stück.


Pix666: Wie entstehen eure Songs generell? Gibt es einen bestimmten Plan? Wer in der Band ist für was zuständig?

Aaron: Ich schreibe die Songs. Für mich gibt es keine magische Formel, meine Inspiration kommt fast immer, während ich daran arbeite. Manchmal fängt es mit einem Drum-Sample an, manchmal mit einem Gitarrenriff, manchmal mit einer Synthie-Melodie, dann übernimmt meine Vorstellungskraft die Kontrolle und der Track vervollständigt sich von alleine. Das einzig Beständige ist, dass ich am Anfang immer weiß, nach welcher Art von Emotion ich suche, die aber im Laufe des Prozesses oft mutiert.


Pix666: Habt ihr schon Tourpläne gemacht – gibt es schon neueTourdaten oder Festivaltermine?

Aaron: Die neuen Termine werden bald über unsere sozialen Medien bekannt gegeben.



Pix666: … und musstet ihr in den vergangenen fast 1 ½ Jahren der Pandemie viele Konzerte absagen? Wie sehr ärgert so eine Situation eine Band?

Aaron: Ja, wir mussten tatsächlich alle unsere ersten Shows außerhalb Frankreichs absagen, ebenso wie alle anderen hier. Es war auch ein Chaos, den Dreh unseres neuesten Musikvideos vorzubereiten. Im Moment ist das Bandleben noch irgendwie eingefroren, aber ich nutze die Zeit, um neues Material zu schreiben.


Pix666: Wie haltet ihr euch im Moment über Wasser? Musikproduktionen, wie ein Album oder Videoclips kosten eine Menge Geld und die Einnahmequelle durch Konzerte ist weggefallen. Kaufen die Fans im Moment mehr Shirts und anderes Merch?

Aaron: Es ist ärgerlich, nicht auf die Bühne gehen zu können, aber ich sehe nicht ein, mich darüber zu beschweren, wenn einige andere geliebte Menschen verlieren, Menschen in ihren Familien… Was das Musikgeschäft angeht, haben wir eigentlich noch nie so viel digitale Musik verkauft wie im Jahr 2020, das Merch verkauft sich immer noch, uns geht es wirklich gut. Die Sache ist, dass die meisten von uns in der Sound- oder Filmindustrie arbeiten, also auch wenn es immer noch eine Menge Geld kostet, ist es definitiv nicht so schlimm, als wenn wir außerhalb von all dem wären.


Pix666: Was habt ihr aktuell in eurem Shop, gibt es ein paar Klamotten, die die Fans im Sommer unbedingt tragen sollten?

Aaron: Unser klassisches weißes Logo-T-Shirt wird bald wieder im Bandcamp-Store zu finden sein, aktualisiert mit einer glatteren Textur. Einige anatomische Herz-Shirts sind dort auch noch erhältlich.


Pix666: Soziale Medien und Musikstreaming sind sowohl ein Segen als auch ein Fluch für Bands. Was sind aus deiner Sicht die Vor- und Nachteile dieser Entwicklung für eure Band. Wie sehr nutzt ihr die sozialen Medien und wo seid ihr vertreten?

Aaron: Ich betrachte es eher als Segen denn als Fluch, es hat vielleicht damit zu tun, dass ich damit aufgewachsen bin. Diese neue Ära der Musikvermarktung erlaubt es uns, sehr unabhängig und autark über jeden Schritt von der Konzeption bis zur Promotion der Musik selbst zu entscheiden. Ich persönlich denke, der Minuspunkt beim Streaming ist, dass die Leute dazu neigen, die Musik nicht genug zu schätzen, weil es zu einfach gemacht wird, von einem Song zum anderen zu wechseln, einen Künstler zu überspringen, nur weil man die erste Sekunde nicht mochte. Bei all dem muss man einen Haufen Inhalte schaffen, um für die Fans relevant zu bleiben, aber das ist in gewisser Weise eine Herausforderung.


Pix666: Als Musiker verbringst du sicherlich die meiste Zeit damit, Musik zu machen – aber was machst du sonst in deiner Freizeit, wenn du dich ablenken willst – gibt es irgendwelche interessanten Hobbys, denen du nachgehst?

Aaron: Die meisten von uns sind Filmfreaks, wir verbringen viel Zeit damit, Filme zu schauen oder darüber zu diskutieren. Ich versuche immer, Zeit zum Malen und Zeichnen zu finden, aber das wird immer schwieriger, je größer die Band wird. Wir sind auch ziemlich sportliche Typen, was uns aber nicht davon abhält, auch mal eine gute Party zu genießen.


Pix666: Hast du noch andere Neuigkeiten über eure Band, die du mit den Fans teilen möchtest?

Aaron: Das neue Album kommt am 30. Juli raus. Es gibt eine Menge neues Material, bleibt dran über Spotify und unsere sozialen Medien.


Pix666: Vielen Dank für die interessanten Antworten – Viel Glück und bleibt gesund!!!

Aaron: Danke schön!


https://www.facebook.com/heartlaymusic

https://linktr.ee/heartlay

Fotos © Sébastien Durand and Camille Leistickow