QUICKIE DER WOCHE: Das Kurzinterview mit Mike Lamb und Emilio Crespo (Sojourner)

von Marko Jakob


Pix666: Zunächst einmal vielen Dank für eure Zeit. Wie geht es euch und wo befinden ihr euch im Moment und wie geht ihr mit dieser besonderen Situation um?

Mike: Danke, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast! Es geht uns allen gut, ich bin zurzeit in Schweden und verbringe meine Zeit damit, an neuer Musik für ein anderes Projekt (Light Field Reverie) zu arbeiten, zu spielen und mir Sachen anzusehen. Die restliche Zeit arbeite ich von zu Hause aus, aber das ist im Grunde alles, was wir während dieser ganzen seltsamen Situation tun können.

Emilio: Es geht uns allen gut und wir sind sicher. Es ist im Moment eine harte Zeit mit dem Virus und all dem, aber wir halten durch und sind mit anderen Dingen beschäftigt!


Pix666: Ihr kommt alle aus verschiedenen Ländern. Wie und wo habt ihr euch getroffen und wie kam es dazu, dass ihr beschlossen habt, gemeinsam eine Band zu gründen?

Emilio: Ich habe eine Nachricht von einem gemeinsamen Freund erhalten, der mir von Mikes anderer Band, Lysithea, erzählt hat. Mir gefiel wirklich, was ich gehört hatte, und ich beschloss, ihm eine Nachricht zu schreiben, und wir begannen, auf diese Weise miteinander zu sprechen. Nach einigen Monaten des Gesprächs und was weiß ich nicht alles, beschlossen wir, gemeinsam etwas Eigenes zu gründen, und Sojourner war geboren. Es ist eine lustige Tatsache, dass wir zunächst als Melodic Doom Band begannen, diese aber schnell wieder aufgaben, als wir merkten, dass wir das überhaupt nicht wollten.

Mike: So wurde es mehr oder weniger geboren, dann kamen später Chloe und Mike Wilson dazu, die ich beide schon seit Jahren kannte. Riccardo und Scotty kamen ein oder zwei Jahre später dazu, und damit sind wir im Grunde genommen bei der jetzigen Besetzung!


Pix666: Wie arbeitet ihr als Band zusammen, und ist es in der heutigen Zeit noch schwieriger geworden, weil ihr viele Monate lang nicht reisen konntet?

Mike: Mein Studio ist im Grunde die Heimatbasis der Band, ich stelle dort die gesamte Musik zusammen, so dass wir, solange wir das Internet haben, wie immer arbeiten können! Die gesamte Musik wird von mir und Chloe geschrieben, wir tauschen also nur Ideen hin und her aus, und ich vervollständige alles in meinem Studio. Emilio, Riccardo und Wilson schicken mir alle ihre Dateien zurück. Ich bearbeite das dann und füge alles zusammen, so dass das ein unkomplizierter Prozess ist, der im Grunde genommen unabhängig von der globalen Situation funktioniert, so dass wir in dieser Hinsicht Glück haben.


Pix666: Im Mai habt ihr euer neues Album “Premonitions” veröffentlicht. Nach der Veröffentlichung einer neuen Platte kann es ein Musiker oder eine Band kaum erwarten, die Songs live zu spielen. Wie fühlt ihr euch jetzt, weil ihr vielleicht einige Zeit warten müsst, um das neue Album live zu spielen?

Mike: Definitiv enttäuscht, aber die Zeit wird kommen, und es wird toll sein, wenn wir diese Lieder endlich live spielen können.

Emilio: Es ist wirklich scheiße, um ehrlich zu sein. Wir hatten eine Menge geplant und es gab viele, die uns sehen wollten, aber leider ist es jetzt nicht möglich. Ich bezweifle sehr, dass wir dieses Jahr überhaupt spielen werden, deshalb war unser Festival in Frankreich die letzte Chance, uns bis 2021 live zu sehen. Es juckt uns definitiv, wieder auf die Bühne zu kommen und verdammt noch mal zu rocken!


Pix666: Im März wurde der Videoclip zu dem Lied ‘The Deluge’ veröffentlicht. Ein großartiger, stimmungsvoller Song mit einem Videoclip, der eine atemberaubende Landschaft zeigt. Wo habt ihr dieses Video gedreht und wie lange hat der Dreh gedauert?

Mike: Wir drehten es über drei Tage in den schottischen Highlands, insbesondere um Lochnagar und die Gegend um Cairgorms. Es war wunderschön und eine ganz besondere Zeit, wir alle haben es geliebt, und es fand direkt im Anschluss an unsere UK-Tour statt, also hätten wir uns keine bessere Zeit und kein besseres Ergebnis wünschen können. Darauf sind wir sehr stolz.


Pix666: Was sind die Hauptvorteile für euch als Band, die sich aus dem Vertrag mit dem Plattenlabel ‘Napalm Records’ ergeben?

Mike: Auf jeden Fall der Marketing-Aspekt – so erreichen wir viel mehr Leute, als wir sonst hätten haben können. Musikalisch, künstlerisch und visuell haben sie keinerlei Auswirkungen auf die Platte oder die Band; sie geben uns einfach die Freiheit, die wir brauchen, und helfen uns dabei, sie auf so viele Märkte wie möglich zu bringen. Markus, unser Produktmanager, ist eine absolute Legende!

Emilio: Er ermöglicht es uns, ein größeres Publikum zu erreichen und unsere Musik wirklich auf den Markt zu bringen. Avantgarde Music hat sich für uns sehr gut entwickelt, aber dies war der nächste logische Schritt, wohin wir mit dieser Band gehen wollten. Der Schritt zu Napalm war perfekt für uns, und wir haben eine wirklich enge Beziehung zum Label aufgebaut. Ich spreche zum Beispiel viel über die geschäftliche Seite der Dinge mit unserem Produktmanager Markus. Wir sind große Gamer und diskutieren ständig über Gaming Haha. Es macht wirklich Spaß und es ist ganz natürlich, mit Menschen zusammenzuarbeiten, wenn man auch auf persönlicher Ebene Kontakte knüpft.



Pix666: Wie geht es den Anderen aus der Band, wie geht es euren Freunden und Familien? Wie bleibt ihr mit ihnen in Kontakt, welche Art von Technik benutzt ihr?

Emilio: Jeder ist so oft bei seiner Familie, wenn es möglich ist. Meine ganze Familie lebt in Spanien, also kommuniziere ich zurzeit mit ihnen über WhatsApp oder Skype oder was immer es sein mag. Meine gesamte Familie ist während dieser Zeit zum Glück sicher und gesund geblieben, das ist natürlich eine wirklich gute Sache. Wenn man in Zeiten wie diesen nicht bei den Menschen sein kann, die man liebt, kann dieser Zustand beunruhigend sein.

Mike: Alle anderen aus der Band sind sicher und wohlauf, und all unseren Familien geht es gut. Ich stehe meiner Familie sehr, sehr nahe, also skypen wir jede Woche, und wir schreiben uns jeden Tag SMS. Ich wünschte, ich wäre ihnen näher, nicht nur in Zeiten wie diesen, sondern auch generell. Ich vermisse sie sehr, und ich kann es kaum erwarten, eines Tages nach Neuseeland zurückzukehren! Was die Mitglieder der Band betrifft, so sind wir alle ziemlich regelmäßig in Band-Chats in Kontakt. Emilio, Scotty und ich reden viel außerhalb der Band und haben andere Projekte zusammen, und die ganze Band plaudert im Allgemeinen nur ein bisschen.


Pix666: Was macht ihr gerade für Dinge, für die man normalerweise nicht so viel Zeit hat? Gibt es bestimmte Dinge wie Videospiele oder Spaziergänge?

Mike: Auf jeden Fall viel Musik, ich habe hart am Album für mein anderes Projekt gearbeitet, das Ende Juli erscheinen soll. Ansonsten habe ich einfach VIELE Spiele gespielt, für die ich schon lange nicht mehr so viel Zeit hatte. Ich habe versucht, Laufen und Fitness zu betreiben, aber daran muss ich noch härter arbeiten.

Emilio: Genau die beiden haha! Die Quarantäne hat mich dazu gebracht, etwas mehr zu essen, also trainiere ich, damit es nicht zu einer zu großen Gewichtszunahme kommt! Außerdem spiele ich gerne, also passiert davon auch VIELES. Um ehrlich zu sein, ist aber sonst nicht viel los.


Pix666: Was werden eurer Meinung nach die langfristigen Folgen dieser Krise für die Wirtschaft, das Musikgeschäft und auch für den Umgang der Menschen miteinander sein?

Mike: Das ist im Moment schwer zu erkennen, aber zweifellos wird es eine Menge wirtschaftlicher Auswirkungen geben… und das Musikgeschäft hat bereits einen riesigen, enormen Schlag erlitten, da in letzter Zeit einige fragwürdige Geschäfte wie dieser Live Nation-Kram auftauchen. Ich denke, dass die Leute in Zukunft wieder normal miteinander umgehen werden, vor allem, wenn ein Impfstoff verfügbar ist, aber im Moment gibt es eine Menge Angst, und das ist verständlich. Hoffentlich kehren wir in eine Welt zurück, die wieder so offen ist wie früher, aber ich weiß noch nicht, ob man sagen kann, wie es sich entwickeln wird.


Pix666: Habt ihr weitere Neuigkeiten über Sojourner, die ihr den Fans mitteilen möchtet?

Mike: Wir arbeiten an ein paar Ideen, um den Mangel an Shows auszugleichen – aber ‚Premonitions‘ hat wegen der ganzen Sache definitiv einen Hit gelandet. Ich beginne mit der Arbeit an den ersten Ideen für das vierte Album, das noch ein paar Jahre entfernt ist. Ich möchte aber, dass wir mit diesem Album einen großen Schlag landen und uns wirklich von dieser dunkleren Zeit erholen, in der unsere Veröffentlichung vielleicht ein wenig untergegangen ist. Wir sind allerdings immer noch so dankbar für die erstaunliche Resonanz der Fans sein, also haben wir noch ein paar coole Sachen in petto, die wir den Leuten präsentieren können.

Emilio: Wir arbeiten mit unserer Booking-Agentur daran, Shows zu buchen und abgesagte Shows umzubuchen, also haltet in den kommenden Monaten Ausschau nach Neuigkeiten. Außerdem wollen wir in naher Zukunft vielleicht ein Cover herausbringen, um all denen, die Sojourner unterstützt haben, etwas mehr zu geben!


Pix666: Vielen Dank für die interessanten Antworten. Bleibt gesund!


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Livefotos © Gavin McLaughlin Photography, Bandfoto © Sojourner