SCHATTENWELT FESTIVAL 2026 – EIN ABEND VOLLER MUSIKALISCHER GEGENSÄTZE IM REPLUGGED VIENNA
von Lucifera.Noir Lesedauer 8 Minuten
Nach vierjähriger Pause war es endlich wieder so weit: Das beliebte österreichische Gothic-Event Schattenwelt Festival kehrte zurück und sorgte mit seiner mittlerweile siebten Ausgabe für ein musikalisch abwechslungsreiches Wochenende. Wie gewohnt war der Schattenwelt Verein für die Organisation und Durchführung verantwortlich. Diesmal wurde das Festival auf zwei Abende und zwei unterschiedliche Locations aufgeteilt.
Der erste Festivaltag führte ins Wiener Replugged, wo ein buntes musikalisches Programm auf die Besucher wartete. Von düsteren Gothic-Klängen über virtuose Piano-Interpretationen bis hin zu tanzbarem Electro und mystischen Soundexperimenten war so ziemlich alles vertreten, was die dunkle Musikszene zu bieten hat. Ein Abend voller musikalischer Gegensätze – aber alles unter einem Dach und vereint unter einem Namen: Schattenwelt Festival!
CHRISTIAN FETISH
Düster und stimmungsvoll ging es gleich mit dem Opener Christian Fetish los. Das Replugged war bereits bestens gefüllt und die Stimmung von Beginn an hervorragend. Auch optisch wurde einiges geboten: Bei einem Song verließ die Sängerin kurzerhand die Bühne und präsentierte ihre Performance mitten im Publikum. Später ließ sich auch Christian einen Ausflug zu den Fans nicht nehmen und suchte ganz unmittelbar den Kontakt zu den Besuchern. Neben bereits bekannten Songs gab es auch neues Material zu hören. Besonders interessant war die Ankündigung der neuen Single, zu der am selben Tag auch das Video zu „I Will Be Gone“ veröffentlicht wurde. Ein gelungener Auftakt, der Lust auf die weiteren musikalischen Überraschungen dieses Abends machte.
VKGOESWILD
Dass ein Klavier durchaus das Zeug zum Highlight großer Metal-Events hat, hat VKGOESWILD längst bewiesen. Ob beim Wacken Open Air, beim Wave-Gotik-Treffen oder erst vor wenigen Wochen auf der Full Metal Cruise vor Mallorca – Vika Yermolyeva begeistert mit ihren außergewöhnlichen Interpretationen längst ein Publikum weit über Genregrenzen hinaus. Auch im vergleichsweise kleinen Rahmen des Replugged zeigte die Ausnahmepianistin eindrucksvoll, weshalb ihre Auftritte so besonders sind. Mit einer Mischung aus eigenen Kompositionen und raffinierten Coverversionen bekannter Songs spannte sie einen musikalischen Bogen, der von Massive Attack über Metallica und Kate Bush bis hin zu Bauhaus und System Of A Down reichte. Dabei zeigte sich die ganze Bandbreite ihres Könnens. Bei ruhigeren Passagen schienen ihre Finger die Tasten beinahe zu streicheln, während bei Nummern wie „Master Of Puppets“ oder „Toxicity“ ordentlich die Post abging. Gerade dieser Wechsel zwischen gefühlvollen, beinahe zerbrechlichen Momenten und kraftvollen, energiegeladenen Interpretationen machte den Auftritt zu einem besonderen Erlebnis. Vika bewies einmal mehr, dass man keine komplette Bandbesetzung benötigt, um einen Raum musikalisch zum Beben zu bringen. Ein Klavier, außergewöhnliches Talent und die richtige Portion Leidenschaft reichen manchmal vollkommen aus.
PLASTIKSTROM
Nach der pianistischen Reise wurde es nun Zeit, die Tanzbeine zu schwingen. Mit Plastikstrom aus Deutschland wechselte das musikalische Geschehen in Richtung Minimal Electro und EBM. Das Duo präsentierte sich sympathisch, mit ordentlich Tempo und einer gehörigen Portion Bühnenwirbel. Sänger Jürgen sorgte mit Sonnenbrille und seiner energiegeladenen Performance für Bewegung auf und vor der Bühne. Mit im Gepäck hatten Plastikstrom ihr erst kürzlich erschienenes Album „inTakt“, aus dem natürlich auch einige Kostproben auf dem Programm standen. „Wir sind mehr“ gehörte ebenso dazu wie die neue Single „Die Rückkehr der Schlächter“. Zwischen den Songs gab es auch immer wieder sympathische Ansagen. Die Begeisterung über das gut gefüllte Replugged war der Band deutlich anzumerken: „Danke, dass ihr alle hier seid – sensationelles Festival!“ Spätestens bei „Ich tanz allein“ war dann endgültig Bewegung angesagt. Jürgen machte sich auf den Weg ins Publikum und sorgte dort für zusätzliche Stimmung. Allein tanzen musste er allerdings nicht, denn die Besucher waren längst voll dabei und hatten sichtlich Spaß an der Sache. Ein rundum gelungener Auftritt, der das Replugged endgültig in einen kleinen Electro-Tanztempel verwandelte.
AUX ANIMAUX
Den Abschluss des ersten Festivaltages gestaltete Aux Animaux, das musikalische Projekt der schwedisch-türkischen Künstlerin Gözde Düzer. Schon der Bühnenaufbau ließ erahnen, dass uns hier eine ganz besondere Performance erwarten würde. Kerzen, verschiedene Accessoires und eine bewusst mystisch gehaltene Atmosphäre bildeten den passenden Rahmen für ihre außergewöhnliche Darbietung. Für eine Solo-Performance wurde dabei erstaunlich viel Abwechslung geboten. Neben elektronischen Klängen kam bei einigen Songs auch ein Bass zum Einsatz. Ein besonderes Highlight war natürlich das Theremin, jenes faszinierende Instrument, das berührungslos gespielt wird und mit seinen schwebenden, beinahe überirdischen Klängen eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt. Bei Aux Animaux wurde es zu einer Art magischem Element, das die Besucher immer wieder in seinen Bann zog. Auch die Performance selbst ließ keine Langeweile aufkommen. Beim wunderschönen Cover von The Soft Moons „Wasting“ wurde es zunächst etwas ruhiger, bevor mit „Thrill Kill“ wieder ordentlich Energie auf die Bühne zurückkehrte. Als großer True-Crime-Fan weiß Gözde Düzer offenbar auch, wie man eine Geschichte visuell in Szene setzt. Mal wehten die Haare wild durch die Luft, mal wurde am Boden performt, und auch der direkte Kontakt zum Publikum durfte nicht fehlen. Bei einem Ausflug in die Menge gab es sogar eine herzliche Umarmung für einen Fan, der eigens aus Prag angereist war. Abseits ihres eigenen Projekts dürfte Aux Animaux vielen auch durch ihre Tätigkeit als Live-Bassistin bei IAMX bekannt sein.
EIN GELUNGENER AUFTAKT NACH VIER JAHREN PAUSE
Was für ein abwechslungsreicher erster Abend! Das Schattenwelt Festival machte im Replugged Vienna gleich zum Auftakt deutlich, dass Gothic und Dark Music weit mehr zu bieten haben als nur ein einziges musikalisches Erscheinungsbild. Von Christian Fetish über die außergewöhnlichen Piano-Interpretationen von VKGOESWILD und den tanzbaren Electro-Sounds von Plastikstrom bis hin zur mystischen Performance von Aux Animaux war für jede Menge Abwechslung gesorgt. Besonders schön war dabei die spürbare Begeisterung des Publikums und der Künstler. Nach vier Jahren Pause ist dem Schattenwelt Verein mit dieser Rückkehr ein wirklich gelungener Neustart gelungen.














































